History

Schröders Tagebuch
Lewinsky in Island

Nun war es also soweit, unsere 2. Auslandstour stand an. Als die Idee zu dieser Reise aufkam, sagte ich, dass Island ja schon immer eines meiner Traumziele war und genau mein Ding wäre. Wenn ich an unsere erste Reise nach New York dachte, musste ich mich aber dennoch fragen, ob dem auch wirklich so war. Die New York Reise war schon eigentlich unschlagbar.

Dafür, dass Island eines meiner Traumziele war, wusste ich erschreckend wenig über die Insel und das Land. Eigentlich nur das Übliche, das beispielsweise Reykjavik die Hauptstadt, der Vatnajökull der  größte Gletscher Europas ist und natürlich die geologischen und geografischen Besonderheiten Islands, wie der Vulkanismus, die Plattentektonik oder die Nordlichter aufgrund der nördlichen Lage.

Ich wollte mich einfach mal überraschen lassen, weil ich im Detail nicht wusste, was mich erwarten und ob es mir wirklich gefallen würde. Ich konnte ja nicht ahnen, wie absurd diese Gedanken heute für mich sind, aber der Reihe nach…

Nach kurzem, heftigem Abschied von der geliebten Familie ging es am 01.04. um 08:00 Uhr zum Proberaum, das Großraumtaxi nach Frankfurt erwartete uns. Treffpunkt war der Proberaum, wo wir dann auch mit unserem geliebten Freund und Mitreisenden Pauli Wiedersehen feierten. Er war eine gewisse Zeit aus dem Bandleben ausgeklinkt, NEIN, er hat nicht im Knast gesessen, was denkt ihr denn wieder?! Nach einem kurzen Kaffee und einer Huldigung an Uli´s gelungenen Proberaum-Umbau ging es los. Der Flieger sollte um 14:00 Uhr starten, aber wir wollten wegen des sensationellen Verkehrsflusses in diesem unserem Lande kein Risiko eingehen und sind deshalb früh losgefahren, nix für Studenten also. Allerdings verlief die Fahrt in einem komfortablen Vito aber dann doch ohne größere Zwischenfälle, war aber schon so richtig schön albern, hier spielte unser Ex-Chefroadie Pauli wieder seine Stärken aus. Das Wetter wurde immer sonniger und das kommende Wochenende sollte das erste richtig warme werden, aber da würden wir dann 2300 Kilometer weiter in Richtung NW sein, schade eigentlich… Gegen 11:00 Uhr sind wir am Frankfurter Flughafen angekommen. Das war nun tatsächlich ein Tor zur Welt, gab es doch kaum ein Reiseziel, das nicht angeflogen wurde.

Beim Einchecken sollten wir unseren Film- und Fotomann kennenlernen.  Ursprünglich sollte ja unser Michel Pathe mitfahren, der schon unser USA-Video geschnitten hatte, aber der musste einen wichtigen Termin wahrnehmen. So trafen wir also das erste Mal auf Michels Filmkollegen Marius Althof aus der schönen Vulkaneifel. Er machte sofort einen sympathischen Eindruck auf uns und erzählte von dessen Equipment und von seinen bisherigen Arbeiten. Bis zum Boarding hatten wir ja noch zwei Stunden Zeit und was machen Kerle, wenn sie zu viel Zeit haben? GENAU, ´n Bier musste her… Es wurde natürlich nicht nur Flüssignahrung vertilgt. Auch wenn das Beisammensein gemütlich war, machte sich allmählich eine gewisse Ungeduld breit. Nachdem Dieter und ich uns noch über die unmenschliche aber gerechte Käfighaltung der Gattung „Raucher“ lustig gemacht haben, ging es um 13:45 endlich zum Boarding. Die Spannung stieg. Ich habe zwar keine Angst vorm Fliegen, aber aufgeregt bin ich dennoch. Eigentlich sind doch nur Start und Landung bei einem Flug spannend, oder? So auch bei diesem Flug nach Keflavik. Nach ca. 3h15 sahen wir das erste Mal unser Ziel. Als die Küste dann schon zum Greifen nahe war, habe ich mich doch gewundert, wie karg das Land aussah. Als dann noch ein perfekt runder Vulkankrater sichtbar wurde, war die Mondlandschaft perfekt. Was für ein bizarrer Anblick!

Nun waren wir also endlich da! Der Flughafen Keflavik fällt vor allem durch dessen freundliche Atmosphäre auf.  Als wir im Duty Free Bereich ankamen, mussten wir uns erst mal einen Biervorrat kaufen, der die Grenzen der Legalität fast zur Gänze ausreizte. 

Wir wurden im Flughafen bereits von einem Mitarbeiter des Autoverleihers in Empfang genommen und durften anschließend erstmals die sehr frische isländische Luft schnuppern. Während Dieter und Uli unser Auto abholten, fingen wir Übrigen bereits an, uns an den Biervorräten gütlich zu tun. Wir nutzten die Zeit, um dem Marius weitere Gespräche aufzuzwingen, was der hingenommen hat, wie eine Löwin deren schlecht erzogene Brut erträgt. Dann kam unser Auto um die Ecke, WOW, nicht schlecht. Es war es Chevrolet „Suburban“, netter großer Amischlitten. Auf den ersten Blick wollte unser üppiges Gepäck, gekrönt durch unsere unvermeidlichen Gitarrenkoffer, allerdings nicht passen. Aber unser Jockel als Regisseur, der Schröder als Assistent, wurde aus einer wilden Kofferschieberei in bester Tetris-Manier ein Event. Nun ging es am späten Nachmittag also endlich los. Ziel war unsere erste Schlafstätte, etwa eine Autostunde in Richtung Osten von Keflavik entfernt. Zuerst musste allerdings noch geklärt werden, was denn noch an kulinarischen Spezialitäten zu erwarten war. Man einigte sich schnell auf Steaks in gehackter Form an Tomatensauce und Nudeln. Hmmmm, Gott sei Dank, wo wir doch überall von frischstem Fisch umgeben sind. Während der Rest die notwendigen Utensilien im Supermarkt um die Ecke besorgte, kauften Dieter und ich im „Subways“ Baguettes. Dieter wollte kein Risiko eingehen und bestellte Baguettes nur mit Schinken und Käse überbacken. Ich bestellte mir mein Baguette in der delikaten Variante mit Grünzeug und einer äußerst schmackhaften Sauce, HEHE! Zurück auf der Straße genossen wir in der angenehmen Abendstimmung die raue Schönheit des isländischen Südens.  Die Berge sind schroff und schneebedeckt, an einigen Stellen raucht die Erde, hier das Weiß des Schnees, dort schwarze Lavahügel. Feuer und Eis. Das Ganze wird gekrönt von einem schönen Licht- und Schattenspiel, wie es das Hochland Kaledoniens nicht schöner zu bieten hat. Nach kurzer Suche und nach einem Anruf Dieters bei dem Vermieter, stehen wir vor unserer ersten Schlafstatt. Es ist ein sehr ansprechendes Holzhaus, welches sehr modern anmutet. Das Haus liegt in einer moosbedeckten Ebene, die von schneebedeckten Bergen umrahmt wird, sehr idyllisch. Das Haus liegt ziemlich einsam, was in mir die Hoffnung auf einen schönen Sternhimmel weckte, vielleicht sogar die Aurora Borealis, das berühmte Nordlicht, zu sehen. Der Vermieter ist ein stämmiger, großer bärtiger Kerl mit guten Englischkenntnissen und einer auf Anhieb sympathischen Ausstrahlung. Das Haus sieht von innen ein wenig wie ein „Ikea“-Special von „Schöner wohnen“ aus, sehr gemütlich. Der wirklich riesenhafte Fernseher liefert nur isländisches Fernsehen, was laut Vermieter eventuell etwas langweilig für uns sein könnte. Allerdings sind wir ja nicht zum fernsehen hier. Nachdem uns unser persönlicher Max Inzinger (Steff) mit einem  hervorragend zubereiteten Nudelgericht verwöhnt hat, wird das erste Mal „performt“. Dies sollte von nun an ein ständiger Begleiter sein, unser Dieter wollte unsere Sympathisanten daheim ja mit einem neuen Video beglücken, oder verrückt machen, ganz wie man es sieht. Nach einem lustigen Abend voller Albernheiten beobachtete ich noch einen sehr schönen Sternenhimmel. Irgendwann kam der Marius, der im Dunkeln mit seiner Kamera ´rumexperimentierte, zu uns und meinte, draußen seien die Nordlichter zu sehen, allerdings habe ich da nur Wolken gesehen. Am nächsten Morgen erzählte uns „Spülmaschinenklaus“ Marius, er habe die halbe Nacht Nordlichter fotografiert. Der Blick auf dessen Bilder ließ meine Kinnlade schlagartig entspannen. Ich sagte ihm, er solle mich bei nächster Gelegenheit aus dem Bett treten, allerdings glaubte ich nicht, dass wir je noch mal die Chance auf Nordlichter bekommen würden. Das Frühstück war gut, ausgiebig und lustig. Das Wetter sah äußerst vielversprechend aus, sodass wir nach nochmaliger Fotosession und ein paar witzigen Einlagen von Jockel auf dem Wohnküchenparkett wieder auf der Straße unterwegs waren. Die Berge wurden langsam höher und schroffer und hin und wieder sahen  wir einen Jeep oder Van mit schon fast monstertruckartiger Bereifung, bis dato konnte ich mir nicht vorstellen, dass man solche Reifen im wirklichen Leben braucht, wie sollte ich mich täuschen…

Unterwegs sollten wir auf Wunsch unseres lieben Dieters wieder für’s Video in einer sehr einsamen Gegend „performen“. Kulisse war eine einsame Straße, an deren Verlauf sich eine Herde Island-Pferde herumlungerte. Von der spaßigen Poserei abgesehen, war auch die Begegnung mit diesen netten Kollegen der Tragetierzunft sehr angenehm! Und da die Band mit den irrwitzigen Stunts und der Marius mit der Filmerei beschäftigt waren, musste der Pauli sich in Geduld üben, was wohl in dessen Kopf vorgegangen ist?

Nach immer grandioseren Bergen im mystischen Licht- und Schattenspiel Islands hieß die nächste Station „Gullfoss“, ein gewaltiger Wasserfall gespeist vom Gletscherfluss Hvítá, was auf isländisch „Weißer Fluss“ bedeutet. Nach einem kurzen Blick in den ersten und letzten Souvenirshop, der einen mit einem unfassbar schleimigen Slogan („Hi, we are open, we love you“) willkommen heißt, gingen wir den kurzen Weg zum Wasserfall hinunter, natürlich die unvermeidlichen Gitarrenkoffer dabei. Bevor wir den Wasserfall überhaupt zu sehen bekamen, hörten und spürten wir schon dessen Kraft. Und was war das dann für ein Anblick! Dieser Wasserfall hat wahrlich riesige Ausmaße und es waren noch gewaltige Spuren des Winters, in Form von riesigen Überhängen aus Eis zu sehen. Und dieses tiefe Grollen, gewaltig! Als wir dort ankamen, waren nur vereinzelt Personen dort anwesend. Für einen Videodreh also fast perfekt. Während unserer Aufnahme kamen aber einige Schwärme japanischer Touristen an, die unser Treiben sehr interessiert verfolgten. Der Marius hat uns anschließend erzählt, dass die Japaner ihn gefragt hätten, wer wir seien. Da kamen unweigerlich Erinnerungen an New York hoch…sehr lustig! Als wir die Aufnahmen im Kasten hatten, sollte es, wie kann es sein, schnell, schnell weitergehen.  Ich wäre am liebsten noch länger geblieben, konnte ich mir doch etwas Imposanteres als den Gulfoss-Wasserfall nicht vorstellen. Allerdings hatten wir ein Date…

Oben war ein Treffen mit einem Isländer namens Helgi geplant, einem Guide und Organisator von Snowmobile-Touren auf dem Langjökull, dem zweitgrößten Island-Gletscher. Was hatte der für eine Karre! Ein Ami-Van mit monstertruckartigen Ausmaßen. Ich habe ihn gefragt, ob die Räder nicht übertrieben seien und ob wir die wirklich bräuchten. Er lachte sehr sympathisch und sagte nur, dass ich schon sehen würde. Dann ging es los. Vor uns lag eine 1-stündige Fahrt auf den Langjökull, zu einer von Dieter geplanten Snowmobile-Tour. Schon bei den ersten Schneeverwehungen, die wir  für sensationell hielten, wurde schnell klar, dass da selbst unser „Suburban“ nicht durchgekommen wäre! Wow! Die nun kommende Fahrt ist eigentlich kaum in Worte zu fassen. Ich sah vor mir Männer mit über 100kg Lebendgewicht gegen den Autohimmel knallen, was für ein Anblick. Der Helgi fuhr wie vom Teufel besessen und bewies Nerven, als von zu vielem Spritzwasser der Keilriemen von dessen Van abgesprungen ist. Der war so furchtbar verbaut, dass ich ihm zur Hand ging. Wir sprachen Helgi auf dessen Job an, weil dieser das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekam. Er sagte nur, diese Art des Autofahrens sei für ihn immer das liebste Hobby gewesen und nun hätte er einen Job draus gemacht. So hat der Glückliche aus dessen Passion einen Beruf gemacht. Unterwegs erzählte er uns noch die ein oder andere lustige Anekdote. Helgi ist ein isländisches Urgestein, dessen leicht  schon fast verstrahlt wirkende Sicherheit bei der Beherrschung dieses Hardcore-Parcours unvergleichlich und sehr zu empfehlen ist!

Auf dem Langjökull angekommen und nachdem wir unsere Bandscheiben wieder sortiert hatten, ging es nach kurzer Einweisung durch einen vierschrötigen Kollegen von Helgi auf die Snowmobile.  Natürlich durften auch hier die Gitarrenkoffer nicht fehlen… Die Bedienung erwies sich als sehr einfach. Einfach über einen Hebel Gas geben und in die Kurven legen und ab die Post! Holla die Waldfee, war das ein Spaß! Da wir ein absolut postkartentaugliches Wetter hatten, kam man sich vor, wie in Bogner´s Film „Fire and Ice“. Helgis Kumpel immer vorneweg, wir immer hinterher, angesichts der Gefahr von Gletscherspalten, sollte man auch weitestgehend in der Nähe des  Expeditionsleiters bleiben. Dieser führte uns auf Anfrage von Dieter zu einer sehr schönen „Videolocation“, einem zugefrorenen See, der in einem malerischen Talkessel liegt und uns einen Blick auf das Innere des Gletschers gewährte. Auch hier, in diesem absolut windstillen Talkessel wurden sehr schöne Aufnahmen gemacht. Als dann aber eine abermals japanische Touristengruppe ankam, war es mit der Ruhe vorbei. Bei allem Respekt vor der japanischen Kultur, was HABEN die geschnattert! Auch hier wurde reges Interesse an unseren Aktivitäten an den Tag gelegt, schließlich trifft man nicht alle Tage „Rockstars“ auf dem Langjökull-Gletscher… ;-))) Danach wurde einfach nur noch ganz dekadent Gas gegeben, was sehr viel Spaß machte. Der einzig negative Vorfall dieser Aktion war, dass unser armer Uli sich in einer Kurve, beim Versuch mit seinem Bein das Snowmobile unter Kontrolle zu bekommen, eine Zerrung zugezogen hat. Der Leiter hatte uns auf diese Gefahr allerdings aufmerksam gemacht, so dass wir keine millionenschwere Klage einreichen können, um unseren Proberaum in ein professionelles Studio umzuwandeln und alle nur noch Musik machen zu lassen, schade aber auch… Der Rückweg war wie gehabt spektakulär und definitiv nicht für Wirbelsäulengeschädigte geeignet…

Danach ging es wieder önsaröhd, wie der Ostdeutsche sagt. Unterwegs wurde noch ein Zwischenstopp am Strokkur-Geysir gemacht.Wenn der Geysir ausbricht, sieht das fast so aus, als würde er vorher noch tief Luft holen, wie ein lebendiges Wesen. Was für eine Urkraft! Vom Strokkur ging es zu unserer zweiten Schlafstatt. Die Natur wurde langsam aber sicher immer spektakulärer, die Berge düsterer, bizarrer und grösser.

Unsere nächste Station war das Hotel „Ranga“, einem sehr rustikalen Holzhotel. Nachdem ich noch Klatschspiele mit einem ausgestopften Eisbären durchgeführt hatte, bezogen wir unsere Zimmer. Vor der Zimmerterrasse befand sich ein beheizter Jacuzzi, den ich eigentlich zu späterer Abendstunde benutzen wollte. Nachdem beim allgemeinen Zusammensein in der Präsidentensuite noch eine fürstliche Pizza aus´m Pappkarton verzehrt wurde, ging es relativ schnell in die Falle, so ist das halt, wenn du mit alten Säcken so´ne Tour machst… ;-))) Mein Vorhaben, den Jacuzzi zu benutzen, wurde durch dichtes Schneetreiben vereitelt, schade aber auch.

Am nächsten Morgen war Island wieder in eine Winterlandschaft verwandelt, eine dichte Schneedecke überzog das komplette Land. Nach einem sehr guten Frühstück, bei dem sogar Lebertran auf dem Tisch stand, ging es weiter in Richtung Südküste. Der erste Zwischenstopp war an einem sehr beeindruckenden Wasserfall am Fuße des berühmten Eyafjallajökull-Vukans, der 2010 den gesamten europäischen Flugverkehr lahmlegte. Nun mussten die Film- und Fotoapparate Unmenschliches leisten…

Die Sonne strahlte und ließ den gerade erst gefallenen Schnee schnell wieder verschwinden. Unser nächster Dreh entstand auf einem sogenannten „Sandir“, einem Schwemmgebiet, das regelmäßig von Vulkanen verursachten Gletscherbrüchen heimgesucht wird. Eine so weite vollkommen kahle Ebene habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Imposante schneebedeckte Berge rundeten das Ganze zu einer Natursymphonie der gewaltigsten Art ab. Was für ein Anblick! Der Dreh selbst war wiedermal sehr amüsant, wobei ich mich immer wieder frage, wie der Dieter auf all´ die lustigen Ideen kommt. Wahrscheinlich liegt der Gute nachts im Bett und zerbricht sich den Kopf über derlei Dinge, anders ist dieser Ideenreichtum kaum zu erklären. Chapeau, mein Lieber! Dieses Mal musste auch der Pauli mal ran, weil er den Marius bei Aufnahmen aus dem Auto heraus natürlich fahren musste, da hatte unser Spaßgarant endlich auch mal mehr zu tun, als uns nur zu belustigen.

Weiter ging es Richtung „Vik“, einem kleinen Ort an der Südküste, der mit der ständigen Bedrohung durch den schon überfälligen Ausbruch des „Kattla“-Vulkans bedroht wird. Die Natur auf dem Wege ist von atemberaubender Schönheit, die die von mir bis dato immer favorisierte Schönheit der schottischen Highlands noch deutlich übertrifft. Die Bergformationen, das Licht- und Schattenspiel wirken geradezu extraterrestrisch, unbeschreiblich… Vik wird von Bergen umrahmt und am Lavastrand von Vik ragt die wohl höchste Steilwand vor mir auf, die ich bisher gesehen habe. Die Brecher des Nordatlantiks können dieser göttlichen Erhabenheit scheinbar nichts anhaben. Vik ist ein Ort, der zum Verweilen einlädt, weil die Seele hier zur Ruhe kommt, selbst die Zeit hat hier offenbar keine Bedeutung mehr. Und dennoch mussten wir viel zu früh von diesem von den Göttern Walhallas geküssten Ort wieder aufbrechen. Weiter ging es zu einem Treffpunkt mit einem Menschen, der mir sehr ans Herz wachsen sollte: Haukur Snorrason. Unser erstes Treffen fiel eher unauffällig aus. Ein bärtiger Isländer mit Brille und perfektem Englisch erwartete uns. Haukur ist ein Fotoguide und Tourenleiter aus Reykjavik. Er ist außerdem noch Besitzer eines Ferienhauses in Hrifunes, unweit des schon erwähnten, gefährlichen, weil überfälligen Kattla-Vulkans. Doch zunächst führte er uns  für  knappe zwei Stunden die Südküste entlang in Richtung Osten. Vorbei an atemberaubenden Naturwundern, wie man sie wohl nur in Island findet.

Nächster Drehort, eine Gletscherhöhle in einer der vielen Gletscherzungen von Europas größtem Gletscher, des Vatnajökull. Nach einem kurzen Fußmarsch, der aber für Uli, aufgrund seiner Verletzung unangenehm war, musste Haukur leider feststellen, dass die Höhle schon einsturzgefährdet war. Schade, aber es gelangen trotzdem einzigartige Aufnahmen.

Das nächste  Ziel war „Jökulsarlon“, was definitiv den Höhepunkt unserer Reise darstellen sollte. Jörkulsarlon ist eine Gletscherlagune, in die ein weiterer Ausläufer des Vatnajökull hinein kalbt. So nennt man das, wenn von einem Gletscher Eisberge abbrechen, ihr lieben Sympathisanten. Wir kamen an der Lagune bei sehr ungemütlichem Wetter mit Nieselregen an. So war es schon beeindruckend genug, aber Mutter Natur sollte sich noch gewaltig aufbrezeln… Nachdem unser Dreh durch einen sehr gelungenen Gastauftritt von Haukur gewürzt wurde, wurde das Wetter allmählich besser. Der nun folgende visuelle, immer intensivere Eindruck lässt sich nur schwerlich in Worte fassen, aber ich werde es versuchen. Durch die sehr tief hängenden Wolken wurde das Ende der Wolkendecke sichtbar und zwar dadurch, daß die Erhebungen des Vatnajökul in einem unwirklich erscheinendem Zwielicht immer sichtbarer wurde. Die höchsten Erhebungen des Vatnajökull erheben sich immerhin auf über 2000 Meter Höhe, was zusammen mit diesem unwirklichen Licht den Anschein erregte, die Berge würden in der Unendlichkeit enden. Die Sicht wurde immer besser und schon berührten die ersten Sonnenstrahlen den Gletscher und ließen ihn in einem gleißendem Licht erstrahlen. Die sonnenüberflutete Fläche kam immer näher und irgendwann erreichte das Sonnenlicht auch die Gletscherlagune. Ich betete darum, dass der Dieter nicht wieder zu sehr auf einen zu schnellen Aufbruch drängen würde, ahnte ich doch, dass sich hier etwas Großes anbahnte. Aber auch er wollte noch verbleiben, Gott sei Dank! Nach unendlich erscheinenden Minuten lag Jörkulsarlon im Lichte der Nachmittagssonne und was war das für ein Anblick, Leute. Zum Niederknien! Ich glaube, das war das Schönste, Erhabenste, was mir Mutter Natur bisher gezeigt hat. Die Eisberge glitzerten wie Königskronen und das eigentümliche Blau von stark komprimiertem Gletschereis schien geradezu von innen heraus zu leuchten! Nicht von dieser Welt, diese Szene…

Immer noch zutiefst beindruckt, fuhren wir schweren Herzens wieder ab. Unterwegs zum Hrifunes Guesthouse, indem uns Haukurs Ehefrau Hadda erwartete, haben wir Wetterkapriolen erlebt, wie ich sie selbst in den Hochlanden Kaledoniens noch nie erlebt habe, aber ich glaube, das habe ich schon erwähnt, oder? ;-)))

In Hrifunes angekommen erwartete uns ein uriges, unglaublich liebevoll hergerichtetes Häuschen und eine sehr sympathische Hadda. Sie bereitete uns ein sehr rustikales Abendessen mit einem riesigen Krustenbraten und Unmengen von diversen Beilagen zu. Wir haben alle rekordverdächtige Mengen von Haddas Menü vernichtet, wobei sich unser Pauli, der sich selbst in dessen unnachahmlicher Art „The Eater“ nannte, ganz besonders hervortat. Der Abend nahm anschließend rasant an Fahrt auf. Hadda hatte bei einem Nachbarn eine einigermaßen gut bespielbare Wandergitarre geliehen und so spielten Steff und ich altbekannte Weisen aus der Rockhistory. Was hat der Haukur nachher Gas gegeben! Der Kerl ist mit einem unglaublich intelligenten Humor gesegnet, dass man den Kerl einfach mögen muss! Wir schenkten ihm aus Deutschland mitgebrachten Frühstückskorn und Schwarzbrot. Die Flasche mit dem fast ungenießbarem flüssigen Zeug setzte sich Haukur direkt an den Hals. Was für eine Party!!!

Später am Abend ging ich noch hinaus, um vielleicht die schon verloren geglaubte Aurora Borealis endlich mal sehen zu dürfen und da waren sie tatsächlich! Nordlichter!!! Wir alle rannten raus und staunten wortlos offenmundig in die Nacht! Der Himmel brannte und flackerte, dass mich der Aberglaube der nordischen Völker nicht mehr wundert. Ich muss sagen, dass die wahre Pracht der Nordlichter erst auf Fotos richtig gigantisch sichtbar wird. Aber wenn man bedenkt, dass Nordlichter in Höhen von etwa 80 Kilometern entstehen, bekommt man einen Eindruck davon, welch unvorstellbaren Kräfte für diese Feuerwerke Odins verantwortlich sind! Das war nun die Krönung eines perfekten Tages. An diese Eindrücke denke ich heute, ca. ein halbes Jahr später, immer noch sehr oft. Diese Eindrücke musste ich erst mal verdauen, WAS für eine göttliche Insel! Ich hätte die ganze Nacht noch draußen bleiben können, denn dieses Schauspiel schien kein Ende zu nehmen. Haukur und Marius, ganz passionierte Fotografen, rannten wie wild hin und her, als ginge es ihnen um die Aufnahme des Lebens. Haukur nannte uns „Lucky Bastards“, weil das die schönsten Nordlichter des ganzen Jahres wären. Es sollte sich am nächsten Morgen zeigen, dass der Haukur einige sehr beeindruckende Fotos von seinem Guesthouse gemacht hatte, die jeden Reisekatalog sehr gut schmücken würden. Auch unser Marius machte fantastische Fotos vom Nordlichtspektakel. Am nächsten Morgen, nach einem großzügigen Frühstück, hieß es zu schnell wieder Abschied nehmen. Kennt ihr das Gefühl der Traurigkeit, weil etwas ganz besonders Schönes zu schnell zu Ende ist?

Nun ging es wieder in Richtung Vik und damit rückte das Ende unserer viel zu kurzen Island-Tour näher.  Der nächste Drehort lag nur wenige Autominuten von Vik entfernt und die Naturwunder sollten abermals kein Ende nehmen. Es erwarteten uns oktaederförmige Felsgebilde, die es in ähnlicher Form auch auf der kleinen, schottischen Insel Staffa zu bewundern gibt. Diese Form von erkaltetem Gestein ist auf unserer Erde sehr selten. Der Dreh war auch hier sehr lustig, aber bei mir von einem Gefühl des Abschiednehmenmüssens überschattet. Ich frage mich, ob ich den Haukur jemals wiedersehen werde, so sehr hat der Kerl mich beeindruckt!

Der Dieter hat für diesen letzten Tag in Island noch eine Bootsfahrt geplant, was jedoch aufgrund des rauen Wetters abgesagt werden musste. Nach einer sehr langen Autofahrt Richtung Keflavik hatte der Dieter noch die Idee, dass ich mit einer extra dafür mitgenommenen Gitarre bewaffnet in den Fluten der „Blauen Lagune“ untergehen sollte. Leider ging mir das wegen der Öffentlichkeit des Internets einen Schritt zu weit. Ich wollte einfach nicht, dass mich die ganze Welt in Badehose sieht. Dieter nahm es zähneknirschend hin… Ich vermute, dass der Dieter sich da gewünscht hat, dass ich etwas von Paulis Unbeschwertheit abbekommen hätte!

Unser letzter Abend in Keflavik war von einer Mischung aus Wehmut und Wiedersehensfreude auf zuhause geprägt. Es gab natürlich wieder Nudeln mit Bolognese, allerdings hat der Steff es sich nicht nehmen lassen, einige Lammsteaks zuzubereiten. Vor dem Essen wollte ich alleine sein, um so langsam Abschied von dieser Trauminsel zu nehmen. Das sind dann immer Momente, die ich sehr genieße. Denn so sehr ich die Jungs auch mag, aber die Eindrücke sind schon intensiver, wenn ich alleine unterwegs bin.  Das „1x6 Guesthouse“ kam mir als Elektriker schon etwas surreal vor, weil der Besitzer des Hauses alles aus kleingesägten Kabeltrommeln zusammengebaut hat. Sehr lustig! Hier drehten wir auch Jockels witzige „Bettszene mit Gitarre“.

Nach einer sehr kurzen Nacht brachen wir in Richtung Flughafen auf. Der Flug nach Kopenhagen war sehr angenehm, weil unsere Sitze direkt vor einem Notausgang lagen und deshalb keine Sitze vor uns standen. In Kopenhagen blieb uns noch Zeit für einen kleinen Snack und nach gut 1-stündigem Flug sind wir dann wohlbehalten wieder in Düsseldorf gelandet.

Island werde ich so schnell nicht vergessen und hat mein bisheriges Traumland Schottland wohl vom ersten Platz verdrängt! Wir hatten wiedermal ein unfassbares Glück mit dem Wetter, haben unglaubliche Menschen kennengelernt, die ihre Träume leben und haben unfassbare Dinge gesehen. Vor allem aber hat es unsere Verrücktentruppe noch mehr zusammengeschweißt!

Danke für diese unglaublich schöne Zeit in Island, Jungs!!!

(siehe auch Fotos Island)

(siehe auch Video ICEley)